Dem Faktor „Arbeit“ kommt in der Landwirtschaft neben anderen Produktionsfaktoren wie dem eingesetzten Kapital oder Boden in der betriebswirtschaftlichen Betrachtung eine Schlüsselrolle zu. Der Arbeitseinsatz in der Landwirtschaft wird insbesondere durch den technologischen Fortschritt (Mechanisierung) und den Strukturwandel (kleiner Betriebe mit höherem Arbeitszeitbedarf je produzierte Einheit) sukzessive kleiner. Berechnungen der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft zeigen, dass sich der Arbeitseinsatz in der Landwirtschaft in den vergangenen Jahren verringert hat. Eine systematische Erfassung des Arbeitszeitbedarfes in Österreich wurde zuletzt 2006 von der damaligen Bundesanstalt für alpenländische Landwirtschaft in Gumpenstein und der damaligen Bundesanstalt für Landtechnik in Wieselburg publiziert (Standardarbeitszeitbedarf in der österreichischen Landwirtschaft, Ergebnis der Berechnung der einzelbetrieblichen Standardarbeitszeiten: Handler, Stadler u. Blumauer 2006).
Zielsetzung
Ziel des gegenständlichen Projekts ist die Überarbeitung der Standardarbeitszeiten in der österreichischen Landwirtschaft. Dazu soll eine webbasierte Datenbank zur laufenden Aktualisierung und künftigen Nutzung der Standardarbeitszeiten in Verbindung mit anderen Verwaltungsdatensätzen aufgebaut werden. Neben den Standardarbeitszeiten für die Innen- und Außenwirtschaft soll auch die Erhebung von Zeiten für die organisatorische Arbeit (Arbeitszeit für betriebliches Management) im Fokus stehen.
Stand des Projektes
Stand November 2025: Das Untersuchungsdesign bzw. die Erfassungssystematik und die Modellfunktionen wurden von den Projektbeteiligten des HBLFA Francisco Josephinums Wieselburg und der HBLFA Raumberg-Gumpenstein großteils ausgearbeitet. Aufbauend auf der Erfassungssystematik wurde von der BAB eine Anwendung (Zeiterfassungs-App) zur Arbeitszeiterfassung auf den Betrieben programmiert. Die notwendigen Serverressourcen zum Speichern und Verwalten der aufzuzeichnen-den Arbeitszeitdaten der teilnehmenden Betriebe wurden angelegt und eingerichtet und die vollumfängliche Prüfung der Funktionalität der Anwendung abgeschlossen. 2024 wurde die Anwendung (App) um Benutzerrollen (System-Administrator, Betriebsadministrator, Benutzer) und das Anlegen von Sub-Tätigkeiten erweitert. Die Software wurde im Rahmen eines Meisterkurses vorgestellt, getestet und die erfolgten Rückmeldungen dazu gesammelt. Zentrale Wünsche betrafen die Zeiterfassung nach Betriebszweigen, die Möglichkeit für mehrere Personen gleichzeitig buchen zu können und die raschere Erfassung wiederkehrender Tätigkeiten.
Im Jahr 2025 wurde ein Mockup entworfen, online gestellt und potentiellen Nutzer:innen und deren Betreuer:innen (Facharbeiter:innen- und Meister:innenkurse) vorgestellt. Alle daraus übermittelten Verbesserungsvorschläge wurden in einen grafischen Entwurf eingearbeitet und zu diesem erneut ein Feedback eingeholt. Nach den positiven Rückmeldungen wurde mit der Programmierung der Eingabemasken begonnen.
Arbeiten 2026
Aufgrund von unvorhersehbaren Entwicklungen (u.a. personelle Engpässe in den beteiligten Institutionen, das Ausscheiden der projektverantwortlichen Personen, krisenbedingter Fokus des BMLUK auf andere Projekte) konnten die ab 2023 geplanten Projektarbeiten nur teilweise umgesetzt werden. In Rücksprache mit den beteiligten Institutionen (HBLFA Raumberg-Gumpenstein, HBLFA Francisco Josephinum Wieselburg) wurde klar, dass auch im Jahr 2026 aufgrund der weiterhin angespannten personellen Situation die notwendigen personellen Ressourcen zur vollumfänglichen Umsetzung des Projektes nicht gegeben sind.
Dem gegenüber steht ein, nicht zuletzt durch den technologischen Fortschritt bedingter, grundsätzlicher Bedarf an einer Aktualisierung der Standardarbeitszeiten in der Landwirtschaft. Dies gilt insbesondere in Hinblick auf die Ausrichtung der Gemeinsamen Agrarpolitik nach 2027, die Verbesserung der Datengrundlagen verschiedener Kalkulationen und Anwendungen (z.B. Onlineanwendung „IDB“ der BAB etc.) aber auch für das Vorhandensein von Bildungs- und Beratungsunterlagen. Deshalb wurde bereits 2024 nach Rücksprache mit dem damaligen BMLUK als Auftraggeber vereinbart, Verbesserungsmöglichkeiten der Software zu evaluieren und allenfalls eine Anpassung der Eingabemaske vor-zunehmen. Entsprechend den vorhandenen Ressourcen soll am Projekt weitergearbeitet, die Software den Lehrenden in der Meister:innen- und Facharbeiter:innenkurse vorgestellt und Möglichkeiten gesucht werden, Anwender:innen für eine umfassende Aufzeichnung zu gewinnen.
Im Jahr 2026 ist geplant, die Software fertig zu stellen und in den Echtbetrieb zu nehmen. Neben den Programmiertätigkeiten fällt ein größerer Arbeitsaufwand noch für die Erstellung einer Liste aller Tätigkeiten an, die in der Anwendung je Betriebszweig gebucht werden können sowie die Dokumentation der Anwendung.
Zeitplan
Projektbeginn: 04/2020
Projektende: 12/2026