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SR039: Lebensverhältnisse von Altbauern und Altbäuerinnen

Werner Pevetz

Als Folge der anhaltenden Abwanderung aus der Landwirtschaft bilden die alten Menschen eine überproportional große Untergruppe der bäuerlichen Bevölkerung; ihr Einkommen und materieller Lebensstandard zählen vermutlich zum niedrigsten aller österreichischen Bevölkerungsgruppen. Auch die soziale Lage dieser alten Menschen erscheint oft schwierig, besonders dort, wo die junge Generation zur Abwanderung vom Land tendiert. Die Lebensverhältnisse der Altbauern und -bäuerinnen empirisch auszuleuchten, erschien somit als wichtiger Beitrag zum Thema "Armut in Österreich", zumal der Anteil der alten Menschen in der Landwirtschaft auch weiterhin Überdurchschnittlich hoch bleiben wird.

Die vom Agrarwirtschaftlichen Institut des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft unter Mitwirkung der Landwirtschaftskammerorganisation durchgeführte empirische Untersuchung über die Lebenslage der alten Menschen in der Landwirtschaft beschreitet Neuland. Im Gegensatz zur Landjugendbefragung war bei der Altenuntersucnung eine Beschränkung auf die bäuerliche Berufsgruppe angezeigt, da hier echte Sonderbedingungen (z.B. Bestehen eines Ausgedinges) gegeben sind. Im Vergleich zum Altwerden im allgemeinen enthält die bäuerliche Lebenssphäre eine Reihe spezifischer Probleme und Chancen, Möglichkeiten und Gefahren, die zu erkennen, zu nutzen bzw. zu vermeiden auf längere Sicht ebenso zu einem Bestandteil ländlicher Sozialpolitik werden müßte, wie die inzwischen bereits zur Selbstverständlichkeit gewordene soziale Sicherung.

Unter Mitwirkung der Präsidentenkonferenz der Landwirtschaftskammern sowie der Landes-Landwirtschaftskammern von sieben Bundesländern war es dem Agrarwirtschaftlichen Institut möglich, 28 Erhebungspersonen zu gewinnen, die in einer "geklumpten" Stichprobe von insgesamt rund 44 Gemeinden unterschiedlichen Typs rund 1.230 Altbauern und -bäuerinnen mittels eines standardisierten Fragebogens befragten. Dank der persönlichen Bekanntheit der Erheber mit den alten Menschen, ihrer Einsatzbereitschaft und ihres Einfühlungsvermögens konnte das Erhebungsziel nahezu vollständig erreicht werden. Die Erhebungsgemeinden sollten sich in jedem einzelnen Bundesland im Idealfall gleichmäßig auf folgende vier Typen verteilen: Agrargemeinden, Berg(bauern)gemeinden, Grenzlandgemeinden und industrienahe Gemeinden. Allerdings konnten den auswählenden Landwirtschaftskammern keine exakten statistischen Grenzwerte der einzelnen Gemeindetypen vorgegeben, sondern diese nur allgemein umschrieben werden.

Um dem Prinzip einer geklumpten Stichprobe zu genügen und der Gefahr einer Verfälschung der Ergebnisse durch Bevorzugung besonders "zugänglicher" Altbauern und -bäuerinnen vorzubeugen, erhielten die Erheber den Auftrag, in ihrer Gemeinde grundsätzlich alle anwesenden Altbauern zu befragen, sofern deren Gesamtzahl 50 nicht überschritt. Dabei war allerdings zu beachten, daß bei Ehepaaren jeweils nur der eine oder der andere Partner (und zwar in schematischem Wechsel) zu befragen war, da ja zahlreiche sich auf Betrieb, Haushalt, Wohnung, Familienverhältnisse usw. beziehende Fragestellungen bei Ehepartnern zwangsläufig identische Ergebnisse erbringen mußten.

Ziel der Befragung war die Erkundung der "Lebensverhältnisse" von Altbauern und -bäuerinnen, also ihrer tatsächlichen, objektiv faßbaren Lebensumstände, ihrer Verhaltensweisen sowie auch ihrer Ansichten zu verschiedenen persönlichen und allgemeinen Fragen. Die Untersuchung ist somit zwar empirisch-sozialwissenschaftlich, aber nur teilweise im engeren Sinne "soziologisch". - Die Erheber hatten ferner die Aufgabe, für jede erhobene Gemeinde ein Strukturblatt auszufüllen; dieses sollte die gemeindeweise Auswertung durch Angaben insbesondere über die Siedlungsform, die Bevölkerungsstruktur und -dynamik, die Ausstattung mit Verkehrs- und Versorgungseinrichtungen und über die mittleren Entfernungen innerhalb des Gemeindegebietes erleichtern. Außerdem suchte der Sachbearbeiter nach Abschluß der Erhebung einen Teil der Gemeinden zwecks ergänzender Informationen persönlich auf. In ihrer Bevölkerungsentwicklung und -struktur scheinen die Erhebungsgemeinden die tatsächliche Situation im ländlichen Raum Österreichs relativ gut widerzuspiegeln. Daher dürften die nach Gemeindetypen aufgeschlüsselten Ergebnisse ein recht zuverlässiges Bild der Wirklichkeit geben, während die Bundesländerergebnisse vielfach atypisch bzw. wenig repräsentativ erscheinen.

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