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AB015: Auswirkungen der Vorschläge zur GAP-Reform auf landwirtschaftliche Betriebe in Österreich

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Leopold Kirner

Die vorliegende Studie untersucht die Folgen der Vorschläge der EU-Kommission vom 22. Jänner 2003 zur Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) auf ausgewählte Betriebstypen in Österreich. Als Maßstab für den Vergleich der Situation vor und nach der GAP-Reform dient der Gesamt-Deckungsbeitrag. Die Lineare Planungsrechnung wird als Rechenverfahren eingesetzt, um eventuelle Produktionsanpassungen in den Betrieben auf Grund der geänderten Politik abzubilden. Die Degression bzw. Modulation der Prämien und die meisten Vorschläge zur Marktorganisation werden wie im Reformvorschlag berechnet, der Rückgang im Erzeugermilchpreis wird mit 25% festgelegt, Rinderpreise werden vorerst nicht verändert. Analysiert werden drei Milchkuhbetriebe (darunter einer mit Stiermast), je ein spezialisierter Mutterkuh- und Stiermastbetrieb sowie zwei Marktfruchtbetriebe.

Unter den getroffenen Annahmen sinkt der Gesamt-Deckungsbeitrag in den drei Milchkuhbetrieben zwischen 5% und 11%, beim Mutterkuhbetrieb um 2%, beim Stiermastbetrieb um 6% und bei den Marktfruchtbetrieben um 3% bzw. 7%. Auch bei optimistischen Preisannahmen errechnen sich Einkommensverluste in den Milchkuhbetrieben. Rinderpreissteigerungen von mehr als 5% erhöhen das Einkommen für den Mutterkuhbetrieb und den Stiermastbetrieb. Durch die Entkoppelung der Prämien verringert sich der Grenzgewinn bei der Produktions-ausdehnung, auch wenn mit optimistischen Preisen und moderaten Pachtansätzen in der Reformvariante kalkuliert wird. Je nach Betriebstyp sinkt der Grenz-Deckungsbeitrag je Einheit nach Umsetzung der GAP-Reform zwischen 10% und 40% im Vergleich zur Situation vor der Reform. Ein Hinweis darauf, dass für kleinere und mittlere Betriebe geringere Per-spektiven bestehen, da die Wirtschaftlichkeit von Wachstumsschritten abnimmt. In eigenen Kalkulationen zu Produktionsumstellungen zeigt sich, dass nach Umsetzung der GAP-Reform für Milchkuhbetriebe der Umstieg auf die Mutterkuhhaltung weniger interessant wird, hingegen für Mutterkuhbetriebe die Reduktion bzw. Einstellung der Tierhaltung sowie für Stiermastbetriebe die Umstellung auf den Marktfruchtbau attraktiver werden.

Die Modellrechnungen führen zum Schluss, dass bei den zu erwartenden Produktpreisen Anpassungsreaktionen der Bauern und Bäuerinnen notwendig sind, um Einkommensverluste durch die GAP-Reform zu kompensieren. Betriebsleiter, die weiterhin in der Produktion blei-ben, müssen sich noch stärker am Markt orientieren, die Produktion effizienter gestalten und eventuell die Produktion ausweiten. Landwirte, die aus der Produktion aussteigen wollen, erhalten durch die entkoppelte Betriebsprämie eine Art Übergangshilfe für den Ausstieg. Dieser Anreiz könnte den Strukturwandel und die Freisetzung von Arbeitskräften in manchen Regionen beschleunigen.

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