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AB020: Strukturwandel in der österreichischen Milchviehhaltung

Veränderungen von 1995 bis 2003

Leopold Kirner

Der Vergleich der Daten von 1995 und 2003 zeigt einen rasanten Strukturwandel in der österreichischen Milchviehhaltung. Etwa 27.000 Betriebe gaben die Milchviehhaltung auf, die Milchquote je Betrieb stieg im selben Zeitraum um 60 %. Im Vergleich zu den meisten anderen Ländern in der EU verlief er in Österreich etwas langsamer. Dieser Umstand könnte damit erklärt werden, dass österreichische Milchviehhalter über mehrere wirtschaftliche Standbeine verfügen (z. B. Forstwirtschaft, Direktvermarktung, Urlaub am Bauernhof) und häufiger im Nebenerwerb wirtschaften als ihre Kollegen in anderen EU Ländern. Außerdem verfügen Milchviehhalter in Bergregionen über weniger, wirtschaftlich interessante Alternativen außerhalb der Milchviehhaltung.

Eine wichtige Schlussfolgerung der vorliegenden Analyse ist, dass die Milchviehhaltung nicht aus dem Berggebiet abwandert. Der Anteil der Milchquote im Berggebiet stieg von 62 % auf 65 %. Den Großteil des Zuwachses verbuchten Betriebe in den Erschwerniszonen 1 und 2, die Zunahme erfolgte somit zum Großteil in den „Gunstlagen des Berggebiets“. Solche Regionen finden sich im Tiroler Unterland, in Salzburg, im Mühlviertel oder Mostviertel.

Kleine Betriebe gaben die Milchproduktion überproportional häufig auf. Beispielsweise hörten mehr als die Hälfte jener Betriebe auf, die im Jahr 1995 über weniger als 20 Tonnen Milchquote verfügten. In Betrieben von 20 bis 40 Tonnen lag der entsprechende Anteil bei 25 %. Erst in Betrieben mit mehr als 70 t nahm die Milchquote im Durchschnitt zu, d. h., dass ab etwa dieser Quotenausstattung die Wachstumsschwelle in den vergangenen Jahren lag.

Insbesondere Betriebe in Regionen, die schon im Jahr 1995 über eine geringe Milchproduktion verfügten, gaben häufiger die Milchproduktion auf als Betriebe in traditionellen Milchregionen. Beispielsweise nahm die Betriebszahl in einigen Regionen des Weinviertels (NÖ) um mehr als 60 % ab. In diesen Regionen dominiert der Ackerbau und neben der Milchproduktion bestehen weitere Alternativen in der Landwirtschaft. Daher nahm auch die bewirtschaftete Ackerfläche der Milchviehbetriebe deutlicher ab als das normalertragsfähige Grünland.

Die Zahl der Milchviehbetriebe in Österreich wird weiter abnehmen, die verbleibenden Betriebe werden mehr Milch produzieren. Ob sich der Strukturwandel verschärfen wird, sprich die Zahl der Betriebe stärker abnimmt als bisher, lässt sich kaum prognostizieren. Künftige Rahmenbedingungen und der Einfluss der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik können bis dato kaum abgeschätzt werden.

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