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AB027: Mögliche Auswirkungen einer Aufhebung der EU-Milchquotenregelung auf die österreichische Milchwirtschaft

Leopold Kirner, Christoph Tribl

Der europäische Milchmarkt ist durch die Milchquotenregelung reglementiert, die bis zum 31. März 2015 befristet ist. Die Europäische Kommission (EK) signalisiert deutlich, keine Verlängerung nach 2015 vorzuschlagen und eventuell die Übergangsphase einer Quotenaufhebung vor 2014/15 einzuleiten. Für Österreich ist es nötig, die Konsequenzen möglicher Optionen und deren Auswirkungen auf die österreichische Milchwirtschaft zu beleuchten. Als Methode dienen Modellrechnungen auf der Grundlage von Buchführungsbetrieben sowie von typisierten Einzelbetrieben. Gefragt wird nach den Konsequenzen eines Auslaufens der Milchquotenregelung auf Milcherzeugerbetriebe und Regionen. Ergänzend fließen in diese Studie auch die Ergebnisse einer schriftlichen Befragung von Milchbauern und Milchbäuerinnen ein, um Einschätzungen aus der Praxis zu politischen Maßnahmen aufzuzeigen und deren Strategien in den Modellrechnungen zu berücksichtigen.

Schriftliche Befragung von Milchbauern und Milchbäuerinnen

Die Befragungsstudie erkundete Einschätzungen der Bauern und Bäuerinnen zur Milchmarktpolitik sowie deren Ziele und Strategien für die nächsten Jahre. Von der Gesamtheit der 42.995 Betriebe mit einer A-Milchquote im Zwölfmonatszeitraum 2006/07 wurden 1.500 zufällig ausgewählt und an diese Ende März 2007 ein Fragebogen versendet. 537 Fragebögen wurden ausgefüllt zurückgesendet, was einer Rücklaufquote von knapp 36 % entspricht. Die Auswertung stützt sich nach Elimination unvollständiger Fragebögen auf 505 Betriebe. Bei der Interpretation der Befragungsergebnisse ist darauf zu achten, dass größere Betriebe und Biobetriebe in der Befragung etwas überrepräsentiert sind.

Österreichische Milchbauern und Milchbäuerinnen zahlten im Durchschnitt der Jahre 2001 bis 2006 etwa 0,93 € je kg. Auch in Zukunft wollen die heimischen Milcherzeuger in Milchquote investieren (35 % der Befragten stimmten dieser Frage zu). Der maximale Kaufpreis für Milchquote würde jedoch von der künftigen EU-Milchquotenregelung abhängen. Die Zahlungsbereitschaft beträgt immerhin 0,42 € je kg Milchquote, wenn die Milchquotenregelung nur noch bis 2015 bestehen bleibt. Daraus ergibt sich eine jährliche Belastung von 6,2 Cent je kg Milch (bei einer Laufzeit von acht Jahren und einer Verzinsung von 4 %).

Ohne Milchquote könnten Österreichs MilcherzeugerInnen deutlich mehr liefern als sie dies derzeit tun, und zwar unabhängig von der Betriebsgröße. Bei Preisen der ersten Jahreshälfte von 2007 könnten zusätzlich 17 % Milch geliefert werden, ohne dass eine Flächenzupacht oder ein Stallumbau nötig wären.

Mehr als drei Viertel der österreichischen MilcherzeugerInnen wünschte sich eine Verlängerung der EU-Milchquotenregelung nach 2015. Dieses eindeutige Votum kann durch mehrere Faktoren begründet sein: (a) die mit hohen Kosten erworbene Quote würde dadurch wertlos (b) die Quotenaufhebung bringt keinen Vorteil für jene, die die Produktion nicht ausdehnen wollen (drei Viertel der Befragten), (c) das Betriebsziel "Lebensqualität verbessern" hat in jedem zweiten Betrieb ein hohes Gewicht und (d) stabile Rahmenbedingungen sind für die meisten Befragten die wichtigste Maßnahme zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit ihres Betriebs. Die Einschätzung einer möglichen Nachfolgeregelung bei Aufhebung der EU-Milchquotenregelung war nicht einheitlich.

Fast drei Viertel der Befragten nannten den Erhalt und die Weiterführung des Betriebs als voll zutreffendes Ziel. Der Wunsch, ein erhaltenes Erbe zu pflegen und an die nächste Generation weiterzugeben, hat somit oberste Priorität. Neben wirtschaftlicher bedarf es familiärer und sozialer Voraussetzungen, diesem Ziel zu entsprechen. Gleich dahinter rangierte der Wunsch nach einer Verbesserung der Lebensqualität. Meist ist damit die Hoffnung verbunden, die Arbeitsbelastung im Milchviehbetrieb zu senken und die Arbeitsqualität zu steigern. Hoch war auch die Zustimmung zum Ziel, die Milchproduktion auf Umwelt- und Tierschutz auszurichten.

Zum Zeitpunkt der Befragung wollten 23 % der Bauern und Bäuerinnen die Milchproduktion in den nächsten fünf Jahren ausdehnen, weitere 65 % beabsichtigten eine in etwa gleich bleibende Produktionsmenge. Der Rest wollte in Zukunft entweder weniger oder keine Milch produzieren. Dabei ist anzunehmen, dass die Beantwortung des Fragebogens eher von Betrieben erfolgte, die auch zukünftig in der Milchproduktion verbleiben wollen.

Team

TRIBL, Christoph

DI Dr. Christoph TRIBL

Agrar-, Umwelt- und Ernährungssysteme
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