AWI

SR098: Landwirtschaftliche Grundlagen für eine integrierte Regionalplanung

Am Beispiel des Ybbs-Einzugsgebietes

Gemeinde Strengberg

Funktionen der Landwirtschaftsflächen

In der durch die Molassezone und fluviatile Ablagerungen geprägten sanften Hügellandschaft Strengbergs mit überwiegender Ackernutzung und nur geringen Wald- und Grünlandanteilen ist die Nutzfunktion in der Landwirtschaft dominant. Der Objektschutz ist nur kleinräumig von Bedeutung. Aufgrund der intensiven Bewirtschaftung im Zusammenspiel mit den natürlichen Verhältnissen ist die Ressourcenschutzfunktion nur gering ausgeprägt. Eine hohe Vielfalt in den landwirtschaftlichen Kulturen fällt mit einer geringen Anzahl von Landschaftselementen zusammen und ergibt insgesamt eine ausgeglichene landschaftliche Diversität. Die Nachfrage nach der Erholungsfunktion ist kaum ausgeprägt. Die Belastung der Agrarflächen mit Infrastrukturleistungen ist gering.

Entwicklungstrends in der Landwirtschaft

Ein steigender Anteil des bereits dominanten Ackerbaues (und innerhalb dessen ein Trend zu vermehrtem Anbau von Risikofrüchten bezüglich Erosion und Grundwasserbeeinflussung) bedeutet einen Rückgang der Ressourcenschutzfunktion und eine Verminderung des Potenzials der Diversität und der Erholungsnutzung der Kulturlandschaft.

Forstwirtschaftliche Raumplanung

Auch in der Forstwirtschaft dominiert die Nutzfunktion, nur kleine Bereiche entlang der Donau sind mit einer hohen Schutzfunktion bewertet.

Wasserwirtschaft

Die Gemeinde ist nicht im Projektgebiet der wasserwirtschaftlichen Planung. Aus den Vergleichen mit ähnlichen Gebieten ergibt sich aber die dringende Notwendigkeit, die flächenhafte Bodenerosion mit Bodenabträgen von 6-8 t je ha jährlich hintanzuhalten. Wichtige Wasserabflussflächen sind von starkem Bewuchs freizuhalten.

Raumplanung

In Siedlungsnähe sind besonders die nicht produktiven Funktionen wie Objektschutz,

Diversität und Erholung der Landwirtschaftsflächen von Bedeutung.

Entwicklungsziele

In der Zusammenschau der Sichtweisen und Ansprüche verschiedener Sektoren ist für die Gemeinde Strengberg besonders darauf zu achten, die Landwirtschaft besser den naturräumlichen Gegebenheiten anzupassen. Durch vermehrte Grünland- bzw. Brachflächenanteile und durch die Anlage von Landschaftselementen sowie durch vermehrte Rücksichtnahme bei den Fruchtfolgen kann der Ressourcenschutz gestärkt werden. Dies wäre ebenso für die Objektschutzfunktion in Siedlungsnähe von Bedeutung. Gleichzeitig würde dadurch die Diversität und die Attraktivität der Landschaft und damit das Potenzial für die Erholungsnutzung gestärkt werden. Maßnahmen dazu stehen im Programm für die ländliche Entwicklung 2007 – 2013 zur Verfügung, vom Erosionsschutz im Ackerbau über die besondere Bewirtschaftung von naturschutz- und gewässerschutzfachlich wertvollen Flächen bis zum Umstieg auf biologische Wirtschaft, auch in der Tierhaltung.

Gemeinde Seitenstetten

Funktionen der Landwirtschaftsflächen

Die im nördlichen Bereich von der Molassezone und im südlichen Bereich von der Flyschzone geprägte Landschaft der Gemeinde Seitenstetten weist günstige Verhältnisse für den Ackerbau im Norden und für Grünland im Süden auf. Dementsprechend differenziert zeigt sich auch die Funktionsbewertung. Die Objektschutzfunktion ist besonders im nördlichen Bereich des Url- und Trefflingbaches in der Landwirtschaft von Bedeutung. Die Ressourcenschutzfunktion im nördlichen Bereich ist nur gering ausgeprägt, im südlichen Grünlandbereich hingegen als günstig anzusehen. Die Diversität ist insgesamt ausgeglichen, jedoch von unterschiedlichem Charakter in den beiden Landschaftsbereichen – vor allem durch die Vielfalt der landwirtschaftlichen Kulturen geprägt im nördlichen Teil und im südlichen Bereich geprägt durch eine gute Ausstattung mit Landschaftselementen. Die Nachfrage nach Erholung ist gering, nur im siedlungsnahen Bereich etwas erhöht. Die Raumstrukturfunktion weist im nördlichen Bereich erhöhte Werte auf, während im südlichen Bereich eine weitgehend ungestörte Kulturlandschaft gegeben ist.

Entwicklungstrends in der Landwirtschaft

Infolge der landwirtschaftlichen Nutzungsegregation in die jeweiligen Gunstlagen ergeben sich Probleme der Intensivierung im nördlichen Gemeindebereich, andererseits günstige Entwicklungen hinsichtlich Ressourcenschutzes im südlichen Gemeindebereich, dort nimmt aber die Diversität der Kulturlandschaft etwas ab.

Forstwirtschaftliche Raumplanung

In der Forstwirtschaft dominiert die Nutzfunktion.

Wasserwirtschaft

Die flächenhafte Bodenerosion mit Bodenabträgen von unter 2 t je ha jährlich ist als gering zu bewerten. Wasserabflussflächen sind von starkem Bewuchs freizuhalten.

Raumplanung

In Siedlungsnähe sind besonders die nicht produktiven Funktionen wie Objektschutz, Diversität und Erholung der Landwirtschaftsflächen von Bedeutung.

Entwicklungsziele

In der Gemeinde Seitenstetten sind die unterschiedlichen naturräumlichen Voraussetzungen im nördlichen und südlichen Bereich zu berücksichtigen. Im nördlichen Ackerbaubereich ist die Landwirtschaft vermehrt nachhaltig zu gestalten. Höhere Grünland- bzw. Brachflächenanteile und die Anlage von Landschaftselementen sowie vermehrte Rücksichtnahme bei den Fruchtfolgen würden den Ressourcenschutz stärken, die Objektschutzfunktion optimieren. Gleichzeitig würde dadurch die Diversität und die Attraktivität der Landschaft und damit das Potenzial für die Erholungsnutzung gestärkt werden (Maßnahmen siehe Gemeinde Strengberg). Im südlichen Grünlandbereich kann durch den Erhalt bzw. die Neuanlage von Landschaftselementen die Verminderung der Diversität der Kulturlandschaft gestoppt werden und damit auch das Potenzial zur Erholungsfunktion erhalten bzw. verbessert werden.

Gemeinde Waidhofen an der Ybbs

Funktionen der Landwirtschaftsflächen

Das Gemeindegebiet Waidhofens wird durch den Gegensatz zwischen zumeist engen Talbereichen einerseits und den Hängen und Bergrücken andererseits geprägt. Die Bewertung der Produktion aufgrund der Bodeneigenschaften ergibt eine zumeist unterdurchschnittliche Eignung zur Grünlandnutzung. Der Objektschutz ist besonders auf den landwirtschaftlichen Flächen in den engen Tallagen der Ybbs und des Schwarzbaches zu berücksichtigen. Aufgrund der Bodeneigenschaften und des Klimas ist dem Ressourcenschutz besondere Bedeutung beizumessen, die Landwirtschaft trägt dem durch fast ausschließliche Grünlandnutzung Rechnung. In den engen Talbereichen ergeben sich durch die geringeren Schlaggrößen und hohen Anteile an Landschaftselementen sehr günstige Werte für die Diversitätsfunktion der landwirtschaftlichen Flächen, in den übrigen Funktionsflächen ergeben sich mittlere Werte. Damit ergibt sich auch in Verbindung mit der erhöhten Nachfrage nach Erholungsflächen besonders in den Talbereichen eine hohe Wichtigkeit der landwirtschaftlichen Flächen für die Erholungsfunktion. Für die übrigen Funktionsflächen ist diese Funktion nur gering bis mittel ausgeprägt. Ebenso stechen die beiden engen Talbereiche in der Raumstrukturfunktion besonders hervor. Die Belastungen durch Infrastruktur und Bauland sind hier extrem hoch. Damit sind Landwirtschaftsflächen besonders wichtig, um Reste von Freiflächen als Gliederungselemente in den Talbereichen zu erhalten. Die übrigen Funktionsflächen sind weitgehend als störungsfreie Grünlandwirtschaftsflächen zu bezeichnen.

Entwicklungstrends in der Landwirtschaft

Infolge der fast vollständigen Umwandlung von ehemaligen Ackerflächen in Grünland ergeben sich günstige Entwicklungen hinsichtlich des Objekt- und Ressourcenschutzes, die Diversität der Kulturlandschaft hat dadurch jedoch etwas abgenommen.

Forstwirtschaftliche Raumplanung

In der Forstwirtschaft sind im Siedlungsbereich die Erholungs- und die Wohlfahrtsfunktion für Waldflächen ausgewiesen, in einigen Talbereichen hat auch die Schutzfunktion Vorrang, dies deckt sich mit den dort ausgewiesenen Landwirtschaftsfunktionen.

Wasserwirtschaft

Im nördlichen Gemeindegebiet ergeben sich nach Modellrechnungen Bodenabträge von unter 2 t je ha jährlich, in den übrigen Gemeindeteilen liegen die Bodenabträge sogar unter 0,5 t/ha und Jahr. Damit leistet die hier vorherrschende Grünlandnutzung einen guten Beitrag zum Ressourcenschutz und ist in dieser Form zu erhalten. Wasserabflussflächen sind von starkem Bewuchs freizuhalten.

Raumplanung

In den engen Talbereichen sind besonders die nicht produktiven Funktionen wie Objektschutz, Diversität und Erholung der Landwirtschaftsflächen von großer Bedeutung.

Entwicklungsziele

In Waidhofen an der Ybbs ist vor allem das Beziehungsgeflecht der engen Tallagen mit den Hang- und Berglagen zu berücksichtigen. In den Tallagen ist durch Erhaltung der Bewirtschaftung die Bewahrung der nicht produktiven Leistungen der Landwirtschaftsflächen und die Offenhaltung von letzten Freiflächen von Bedeutung (Objektschutz, Diversität, Erholung, Raumstruktur). In den Hang- und Berglagen ist die Erhaltung der wirtschaftlichen Basis für eine betriebswirtschaftlich intakte Landwirtschaft sowie der Diversität und einer für den Tourismus attraktiven Kulturlandschaft im Zentrum des Interesses.

Gemeinde Göstling an der Ybbs

Funktionen der Landwirtschaftsflächen

Das Gemeindegebiet von Göstling an der Ybbs, zur Gänze im Kalkalpenbereich gelegen, ist zum überwiegenden Teil bewaldet, die landwirtschaftliche Fläche ist zum Großteil auf die Talbereiche, einige Hanglagen und wenige Almen beschränkt. Aufgrund der Bodeneigenschaften ist eine zumeist mittlere bis hohe Eignung für die Grünlandnutzung festzustellen. Infolge der ausschließlichen Grünlandnutzung wird die Ressourcenschutzfunktion der Landwirtschaft durchwegs als sehr hoch bewertet. Durch die Landschaftsausstattung ergeben sich mittlere bis hohe Werte für die Diversitätsfunktion. Die Nachfrage nach Erholungsflächen ist auf sehr niedrigem Niveau. Im Talbereich von Ybbs und Göstlingbach weist die Raumstrukturfunktion der eng begrenzen landwirtschaftlichen Flächen sehr hohe Werte auf, während in den anderen Funktionsflächen die Landschaft relativ ungestört ist.

Entwicklungstrends in der Landwirtschaft

Infolge der Abnahme von Grünland (vor allem des extensiv genutzten Grünlandes) und von Verwaldungstendenzen sind die Diversität, die Besiedelung und die Offenhaltung der Kulturlandschaft in Bedrängnis.

Forstwirtschaftliche Raumplanung

In der Forstwirtschaft ist in den günstigeren Tal- und Hanglagen zumeist die Nutzfunktion als vorrangig ausgewiesen, während in höheren Lagen große Flächen mit der Schutzfunktion belegt sind.

Wasserwirtschaft

Nach Modellrechnungen ergeben sich Bodenabträge von unter 0,5 t/ha und Jahr. Damit leistet die hier dominante Grünlandnutzung einen guten Beitrag zum Ressourcenschutz und ist in dieser Form im Nutzungsmuster mit den verbreiteten Waldflächen erhaltenswert. Wasserabflussflächen in Tallagen sind von starkem Bewuchs freizuhalten.

Raumplanung

In den engen Talbereichen in Siedlungsnähe sind besonders die nicht produktiven Funktionen, vor allem der Objektschutz, die Diversitäts- und die Raumstrukturfunktion der Landwirtschaftsflächen von Bedeutung.

Entwicklungsziele

Wie in Waidhofen an der Ybbs ist auch in Göstling das Zusammenspiel der Bewirtschaftung von engen Tallagen mit den Hang- und Berglagen zu berücksichtigen. In den Tallagen ist durch Erhaltung der Bewirtschaftung die Offenhaltung zu gewährleisten (Objektschutz, Wasserabfluss, Diversität, Potenzial für die Erholung, Raumstruktur). In den Hang- und Berglagen ist die Erhaltung der wirtschaftlichen Basis für eine intakte Landwirtschaft sowie der Diversität und einer für den Tourismus attraktiven Kulturlandschaft im Zentrum des Interesses.

ProjektleiterIn

WAGNER, Klaus

DI Klaus WAGNER

Berggebietsforschung und Regionalentwicklung
Dietrichgasse 27
1030 Wien
 +43 (1) 71100 - 637415

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