Forschungsprojekte

BF 146/15: A New Approach for Rural Development in Georgia

Das Forschungsprojekt wurde im Rahmen des EU Nachbarschaftsprogramms „European Neighbourhood Programm for Agriculture and Rural Development“ (ENPARD Georgia) in Zusammenarbeit mit dem Koordinator MercyCorps Georgia durchgeführt. Es beinhaltete insbesondere die Tätigkeit der Expertentätigkeit zur Beratung bezüglich der Möglichkeiten der Anwendung des LEADER-Ansatzes und die Vermittlung der relevanten Lehren aus der europäischen LEADER-Praxis der vergangenen Jahrzehnte, die Unterstützung bei der Erarbeitung der Lokalen Entwicklungsstrategie (LES) im Pilotvorhaben der Gemeinde Borjomi (Region Samtskhe-Javakheti) und der Erstellung einer Replication Strategy und der internen Projektevaluierungsarbeiten bei Abschluss dieses EU-Projektes. Das Projekt baut auf den Erfahrungen der Kenntnis der institutionellen Bedingungen und Erfordernissen der Kooperation in Georgien auf, welche anlässlich der Expertentätigkeit zur Berggebietsentwicklung und Konzeption des Berggebietsgesetzes bei der Beratung des Ministeriums für Regionalentwicklung (Ministry of Regional Development and Infrastructure, MRDI) in Georgien erarbeitet worden waren (vgl. Abschlussbericht zum Projekt BF 139/14; Dax 2017a).


Zielsetzung und Beitrag der BABF
Die EU-Kommission hat im Rahmen des Nachbarschaftsprogramms „European Neighbourhood Programme for Agriculture and Rural Development in Georgia“ (ENPARD Georgia) gezielt Pilotprojekte zur Umsetzung von Aktivitäten einer am LEADER Ansatz orientierten lokalen Entwicklungsstrategie in drei Gemeinden Georgiens (Borjomi, Kazbegi und Lagodekhi) in Auftrag gegeben. Dieses Projekt soll den Bottom-up Ansatz in der Gemeinde Borjomi (Region Samtskhe-Javakheti) anwenden (eine der drei Pilotregionen) und auf Grund der Anwendung in ersten lokalen Entwicklungsinitiativen grundsätzliche Überlegungen für die Anwendung dieses Ansatzes in diesem Land ermöglichen. Auf Grund der Erfahrungen mit der Bewertung der Umsetzung von LEADER in verschiedenen Ländern der EU wurde die BABF in das Konsortium zur Bearbeitung dieses Pilotvorhabens aufgenommen.
Ziel der Projektmitarbeit der BABF war insbesondere ein grundlegender Input bei der Diskussion und Erarbeitung der Projektkonzeption, die Vermittlung von vergleichbaren Erfahrungen aus der LEADER Anwendung in Europa, die Suche nach und Bildung der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) in Borjomi, sowie die internen Bewertungsarbeiten der Umsetzung und die Analyse der potenziellen Übertragbarkeit der Ergebnisse und Erfahrungen auf andere ländliche Regionen Georgiens und darüber hinaus (Replication Strategy). Insbesondere wurden dadurch berggebietsspezifische Kenntnisse Österreichs bei der Anwendung dieses Programms genutzt, die methodische Expertise insbesondere bei der LES-Erarbeitung eingebracht und die Erfahrungen Österreichs bei der LEADER-Bewertung und -Umsetzung (Durchführung der Mid-Term Review) für das Projekt verwendet. Die Strategieerarbeitung und damit der Aufbau der Herangehensweise an die LEADER-Umsetzung wurde maßgeblich durch die BABF, gemeinsam mit der ÖAR (Experte Michale Fischer) in mehrfachen Workshop-Schleifen erstellt und war für die Beteiligten aus der Region eine neue, bisher nicht gekannte Möglichkeit, ihre Überlegungen für lokale Initiativen und Aktivitäten einzubringen. Die begleitende Beobachtung der Umsetzungsarbeiten wurde auch in der weiteren Projektbearbeitung durch die BABF sichergestellt, insbesondere, um auch ausreichend Material und Einblick in die Umsetzung für die abschließenden Bewertungsarbeiten zur Verfügung zu haben. Gegen Ende des zweiten Bearbeitungsjahres (2017) erfolgte, dem Projektplan entsprechend, die Erarbeitung einer „Replication Strategy“ und eine interne Abschluss-Evaluierung der Arbeiten dieses Pilotvorhabens in den ersten beiden Jahren der LEADER-Anwendung. Die Replication Strategy (Dax 2017b) prüfte speziell die Übertragbarkeit der Projektumsetzung auf andere ländliche Gebiete Georgiens bzw. die Intensivierung der Projektumsetzung. Die Abschluss-Evaluierung stellt eine projektinterne Bewertung der Projektanwendung und die Umsetzung der geplanten Arbeiten in der Gemeinde Borjomi dar (Dax 2017c), die Bewertungsarbeiten der EU-Kommission (Wuseni 2017) bezüglich dieser Aktivität im Detail bekräftigt bzw. zusätzliche bedeutende Aspekte hervorgehoben hat. Sie wird durch EU-Bewertungen der Anwendung der LEADER-Methode und der Wirksamkeit der Arbeiten in den Pilotregionen ergänzt.
Das Projekt wurde im Zeitraum Juli 2015 bis Oktober 2017 also mit einem gestrafften Zeitplan für die erstmalige Anwendung eines Programms zur lokalen Entwicklungsunterstützung durchgeführt. Auf Grund des langfristigen Entwicklungsbedarfes und der im November 2017 startenden 2. Entwicklungsphase wurde die Projektlaufzeit dieser 1. Phase um zwei Monate verlängert. Im Anschluss daran erfolgt eine 2. Phase der Umsetzung in Borjomi (und den beiden anderen Pilotregionen in Georgien aus der ersten Ausschreibung), sowie eine Ausweitung der Anwendung der LEADER Methode auf drei weitere Gemeinden/Regionen Georgiens (Alkhalkalaki, Dedoplistskaro und Tetritskaro) sowie zwei zusätzliche in der autonomen Republik Adjara (Keda und Khulo).

Hauptergebnisse
Die Herausforderung in der Anwendung der Pilotaktivitäten in drei Regionen Georgiens bestand darin, in sehr kurzer Zeit ein Verständnis für die Grundbedingungen und Erfordernisse lokaler Entwicklung und die Möglichkeiten der Nutzung der LEADER-Methode in den jeweiligen Gebieten zu verankern. Die Beteiligten standen dabei auch unter einem zeitlichen Erfolgsdruck, da neben der Entwicklungsarbeit und der strategischen Ausrichtung auch rasche Projektumsetzungen gefordert waren, um Erfahrungen auch auf andere Gebiete Georgiens übertragen zu können. Diese Vorgaben konnten nur auf Grund einer detaillierten Projektplanung und der Einhaltung der vereinbarten Prozessschritte eingehalten werden und zur Umsetzung der vorgesehenen Anzahl von Projektinitiativen führen.
Im ersten Projektjahr stand die Erarbeitung der Lokalen Entwicklungsstrategie (LES) im Vordergrund. Die Diskussionen dazu und die Herangehensweise wurden durch die internationalen Projektpartner der LAG Angus Council (Schuttland, UK) und die Bundesanstalt für Bergbauernfragen als Subauftragnehmer von MercyCorps unterstützt. Die LES Borjomi (Borjomi Local Action Group 2016) stellt damit die Basis für die Umsetzung der Projektförderung im 2. Jahr des Pilotvorhabens dar.
In der Pilotregion Borjomi konnten zunächst durch eine weit gestreute Informationskampagne insgesamt 171 Interessensbekundungen für lokale Projekte eingebracht werden, von denen 107 zu einer Projekteinreichung im vollen Umfang eingeladen wurden. Aus den eingereichten Projektanträgen wurden 36 Projekte ausgewählt, von denen wiederum 28 Projekte alle Auflagen für die Umsetzung erfüllen konnten. Diese Anzahl übertrifft die Zielsetzung mit dieser Pilotaktion zumindest 20 Projekte zu initiieren.
Kennziffern der Projektumsetzung zeigen, dass die Schwerpunkte im Bereich der Förderung des „nachhaltigen Tourismus“ (mit 10 Initiativen) und im Bereich „Sport und Kulturentwicklung“ (mit 12 geförderten Initiativen) liegen. Die Umsetzung ist durch das Erfordernis einer substanziellen Ko-Finanzierung durch die ProjektträgerInnen (im Durchschnitt von 40%) geprägt. Durch die Förderung konnten im Durchschnitt 1.300 Personen je Initiative beteiligt werden und etwa 15 Arbeitsplätze pro Initiative geschaffen werden (vgl. Dax 2017c).  
Die Bundesanstalt für Bergbauernfragen konnte durch ihre Arbeiten zu Projektbeginn (Entwicklung der Konzeption und der Strategieentwicklung) sowie zur Bewertung der Umsetzung (Mid-Term Evaluation, Replication Strategy und Final Evaluation) Einblick in die besonderen Bedingungen, Schwierigkeiten und Erfolge der Umsetzung erlangen. Neben den projektinternen Bewertungsberichten sowie der Analyse der „Übertragbarkeit“ von Projekterfahrungen auf andere regionale Kontextbedingungen (Dax 2017b) wurden die Projekterfahrungen auch hinsichtlich allgemein gültiger Schlussfolgerungen für den „Knowledge transfer“ ausgewertet. Diese wurden in einem wissenschaftlichen Beitrag (Oedl-Wieser et al. 2017) sowie in einer Projektpräsentation anlässlich des Internationalen Tages der Berge 2016 (Dax und Oedl-Wieser 2016) zusammengefasst.
Dabei wurden die Vermittlungsprozesse als zentrale Projektaufgaben und -erkenntnisse hervorgehoben und der intensive Austauschprozess zwischen Erfahrungen aus westeuropäischen LAGs und LEADER-Bewertungen und der Entwicklung lokalen Know-hows bzw. des Prozessmanagements als Schlüssel für eine erfolgreiche Umsetzung gesehen. Die dadurch in Gang gesetzten neuen regionalen Überlegungen zielen auf eine Intensivierung von Prozessen der „Sozialen Innovation“ ab, die im Mittelpunkt der LEADER Konzeption stehen. Das besondere Interesse an den Anwendungserfahrungen aus Österreich galt dabei auch den Bedingungen der Anwendung von LEADER im Berggebiet und der Anpassung an die speziellen regionalen Entwicklungsmöglichkeiten. Für Georgien stellt dieses Beispiel und die vergleichbaren Kontextbedingungen eine wichtige Anschlussmöglichkeit für Lernerfahrungen dar.

Zusammenfassung
Der “neue Ansatz”, wie das Projekt in seinem Titel bezeichnet wurde, zielte im nationalen Zusammenhang von Georgien tatsächlich darauf ab, Beteiligungsprozesse und strategische Entwicklungsmuster auf lokaler Ebene in ländlichen Gebieten Georgiens bekannt zu machen und damit auch den Wunsch nach einer Ausweitung und Intensivierung dieser Methode im Land zu verstärken. Dies wird durch die sehr engagierte und erfolgreiche Umsetzung im Pilotvorhaben der Region Borjomi bekräftigt. Eine Vielzahl an lokalen, regionalen und nationalen Meetings zur Ländlichen Entwicklung und zum Erfahrungsaustausch der Pilotaktionen machen die Ergebnisse, Diskussionen und Lernprozesse dieser Region auch für andere Gebiete Georgiens zugänglich.
Dieser zunehmende Diskurs zur ländlichen Entwicklung schlägt sich auch in der Fortführung des ENPARD Programm der EU (vgl. die Ausschreibungen zu ENPARD III im April/Mai 2018) nieder. Der EU-Bericht zur Bewertung der Pilotvorhaben (ROM-Bericht; Wuseni 2017), der Bericht zur Replication Strategy (Dax 2017b), aber auch die aktuelle Diskussion zur Vermittlung des Potenzials ländlicher Entwicklungsvorhaben im Land, sowie Ausschreibungen zur Nutzung von „Nachhaltigen Tourismusstrategien bzw. des ökologischen Landbaus im Berggebiet Georgiens“ verweisen auf wichtige Aspekte und Chancen in dieser Entwicklungsphase. Die erstmalige Anwendung von LEADER hat damit zweifelsohne beigetragen, neue Gesichtspunkte und Handlungsmöglichkeiten zukunftsorientiert einzubringen.

Literatur

  • Borjomi Local Action Group (2016) Borjomi Local Development Strategy 2016-2019, Borjomi. (elaborated with the support of BABF and ÖAR as well as Angus Council; under the coordination of MercyCorps) www.borjomilag.ge  
  • Dax, T. (2017a) Abschlussbericht zum Projekt BF 139/14, “Support for development of high mountain development strategy in the Republic of Georgia”, International Expert for the Ministry of Regional Development and Infrastructure-MRDI, commissioned by UNDP Georgia, Wien/Tbilisi.
  • Dax, T. (2017b) Project Replication Strategy. A New Approach for Rural Development in Georgia. Version 01.09.2017. Wien: Bundesanstalt für Bergbauernfragen.
  • Dax, T. (2017c) Project Final Evaluation. A New Approach for Rural Development in Georgia. Version 02.11.2017. Wien: Bundesanstalt für Bergbauernfragen.
  • Dax, T. und Oedl-Wieser, T. (2016) Anwendung des LEADER-Ansatzes im georgischen Berggebiet, Präsentation am 12.12.2016, Internationaler Tag der Berge 2016, Wien: Bundesanstalt für Bergbauernfragen.
  • Oedl-Wieser, T., Dax, T. and Fischer, M. (2017) A new approach for participative rural development in Georgia – reflecting transfer of knowledge and enhancing innovation in a non-European Union context, in: Studies in Agricultural Economics 119(1), 48-54. https://doi.org/10.7896/j.1012
  • Wuseni, A. (2017) Independent Results-Oriented Monitoring (ROM) report Borjomi, A New Approach for Rural Development in Georgia, Project Reference C-361873, report date 05/05/2017, Tbilisi.

 

ProjektleiterIn

DAX, Thomas

Dr. Thomas Dax

Berggebietsforschung und Regionalentwicklung

Team

MACHOLD, Ingrid

Mag.a Dr.in Ingrid MACHOLD

Berggebietsforschung und Regionalentwicklung
OEDL-WIESER, Theresia

Mag.a DI.in Dr.in Theresia OEDL-Wieser

Ländliche Sozialforschung und Bibliothek

Partner

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