Die zentrale Aufgabe der Land- und Forstwirtschaft ist die Bereitstellung von Nahrungsmitteln und nachwachsenden Rohstoffen. Die gezielte Produktion dieser versorgenden Ökosystemleistungen (ÖSL) beeinflusst auch andere regulierende und kulturelle ÖSL sowohl innerhalb als auch außerhalb land- und forstwirtschaftlicher Landnutzungssysteme. Zur Internalisierung dieser externen Effekte werden politische Instrumente wie z.B. Agrarumweltprogramme eingesetzt. Deren dominierende Ausprägung ersetzt die Kosten der Bereitstellung positiver Effekte, bietet darüber hinaus aber kaum Anreize zur Ausweitung positiver Umweltwirkungen. In der umwelt- und agrarpolitischen Diskussion wird mitunter die Forderung erhoben, Land- und Forstwirt:innen den gesellschaftlichen Wert der bereitgestellten ÖSL zu entgelten, um die Akzeptanz der Bereitstellung von ÖSL zu erhöhen und zusätzliche Einkommensmöglichkeiten zu schaffen. Eine solche Forderung findet sich auch in der Vision 2028+ „Zukunftsbild für Österreichs Landwirtschaft und den ländlichen Raum“ des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft https://www.landwirtschaft.at/vision2028/
Voraussetzungen für die Entwicklung effizienter Instrumente zur Entlohnung bereitgestellter ÖSL sind Kenntnisse über den Umfang der ÖSL, deren Urheber:innen und letztlich den Wert der Leistung für die Gesellschaft. Die Bundesanstalt für Agrarwirtschaft und Bergbauernfragen veranstaltete am 27.06.2025 in Kooperation mit dem Umweltbundesamt, der HBLFA Raumberg-Gumpenstein und der BOKU University einen Workshop, um den aktuellen politischen Prozess durch die Bereitstellung wissenschaftlicher Informationen zu unterstützen. Wissenschaftler:innen präsentierten und diskutierten den Stand des Wissens zu Methoden der Quantifizierung und monetären Bewertung sowie Instrumenten der Umsetzung, um daraus Handlungsempfehlungen abzuleiten. Damit leistet der Workshop und seine Ergebnisse einen Umsetzungsschritt der Vision 2028+.
Der Workshop begann mit vier Vorträgen ausgewiesener Expert:innen zu naturwissenschaftlichen und sozio-ökonomischen Aspekten des Themas:
- Uta Schirpke (Institut für Alpine Umwelt, Eurac Research, Bozen, Italien)
- Ecosystem services: Key concepts and biophysical assessment approaches
- Ecosystem services: Key concepts and biophysical assessment approaches
- Martina Bozzola (Departement für Agrar- & Ernährungssysteme, FiBL Schweiz)
- Quantification and Valuation of Ecosystem Services in Agriculture and Forestry. Data, Scientific Methods & Policy Instruments
- Quantification and Valuation of Ecosystem Services in Agriculture and Forestry. Data, Scientific Methods & Policy Instruments
- Dir. und Prof. Dr. Peter Elsasser (Institut für Waldwirtschaft, Thünen, Deutschland)
- Values of Forest Ecosystem Services: Examples from Germany
- Values of Forest Ecosystem Services: Examples from Germany
- Prof. Dr. Sigrid Stagl (Institute for Ecological Economics, Wirtschaftsuniversität Wien)
- Ecosystem Services from an Ecological Economics Perspective
- Ecosystem Services from an Ecological Economics Perspective
Im Anschluss diskutierten Arbeitsgruppen den aktuellen methodischen Wissensstand zur Quantifizierung und monetären Bewertung von ÖSL, die Datenverfügbarkeit sowie die Umsetzbarkeit politischer und fallweise privatwirtschaftlicher Instrumente.
Die Vorträge wurden in englischer Sprache gehalten, während die Arbeitsgruppen sowohl in englischer als auch deutscher Sprache durchgeführt wurden.
Ein Protokoll zur Veranstaltung fasst die Inhalte und Ergebnisse der Vorträge und Arbeitsgruppen zusammen.
Partner:
- Bundesanstalt für Agrarwirtschaft und Bergbauernfragen: Martin Schönhart, Josef Hambrusch, Dieter Kömle, Astrid Reitter, Martin Weigl
- Umweltbundesamt: Helmut Gaugitsch, Martin Tschikof
- HBLFA Raumberg-Gumpenstein: Christian Fritz
- BOKU University: Martin Tschikof