Die 35. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Agrarökonomie (ÖGA) fand dieses Jahr vom 18. bis 19. September an der Universität Graz statt und widmete sich dem Generalthema der Versorgungssicherheit im Spannungsfeld steigender Nachfrage und begrenzter Ressourcen. Die Plenarvortragenden nahmen dazu in ihren Vorträgen aus verschiedenen Perspektiven Bezug. Petr Havlik (IIASA - International Institute for Applied Systems Analysis, Österreich) ging in seinem Vortrag auf die Relevanz eines nachhaltigen Agrarsektors für den Wohlstand und die Sicherheit in der EU aus Sicht eines Wirtschaftsmodellierers ein. Monika Hartmann (Universität Bonn, Deutschland) stellte hingegen die Herausforderungen und Strategien eines nachhaltigen Konsums von Lebensmitteln in den Vordergrund ihrer Ausführungen. Sophie Helaine (Europäische Kommission) brachte im Gegensatz dazu eine agrarpolitische Sichtweise ein und schloss die Plenarsession mit Einblicken in die Vision der EU in Hinblick auf das Spannungsfeld einer steigenden Nachfrage und begrenzte Ressourcen. Den Teilnehmer:innen der Tagung aus Wissenschaft, Fachpraxis und dem Bildungswesen boten elf Forschungsforen, drei Workshops sowie zwei Postersessions ein breites Angebot an Forschungs- und Diskussionsthema.
Die BAB wirkte an der Tagung nicht nur vorab an der Organisation der Tagung mit, sondern war auch in den Forschungs- und Posterforen mit acht Beiträgen prominent vertreten.
Forschungsforen – Parallel sessions
Forschungsforum 2 – Agrarmarketing und Vermarktung
- Be- und Verarbeitungskapazitäten von Ölsaaten und Eiweißpflanzen in Österreich mit Schwerpunkt auf Soja - Astrid Reitter
Forschungsforum 7 – Modellierung und Daten
- Adaptation to Climate Change: A Quantile Perspective - Julian Zeilinger
Forschungsforum 8 – Ländliche Regionen und Regionalentwicklung
- Kleine Ländliche Unternehmen in der Nockregion-Oberkärnten (AT) - Ingrid Machold, Daria Ernst und Karin Schroll
- Können agrarische Kunstinitiativen zur Belebung ländlicher Gebiete beitragen? - Karin Heinschink and Ingrid Machold
- Enhancing Rural Communities Resilience through the Social and Solidarity Economy: The case of Silbersberg Association [Poster] - Katrin Hofer and Somaye Latifi
Forschungsforum 9 – Econometrics (engl.)
- The impact of fisheries policy on economic efficiency: A coastal commercial fishery case - Dieter Koemle and Christoph Tribl
Forschungsforum 11 – Farm succession and gender / Hofnachfolge und Geschlecht
- ‘I Would Survive Without the Farm, but the Farm Wouldn't Survive Without Me’. Determinants and Barriers of Family Farm Succession in Austria and Poland - Michael Dudek and Erika Quendler
Erika Quendler präsentierte Forschungsergebnisse zur Hofnachfolge in Österreich und Polen, die Michal Dudek gemeinsam mit ihr erarbeitet hat. Unterschiede zwischen beiden Ländern liegen vor allem in den nationalen Kontexten. In Österreich erschweren Landknappheit und administrative Belastungen die Betriebsübergabe, während Förderungen wie Steuererleichterungen und agrar-touristische Zusatzeinkommen die Nachfolge erleichtern. In Polen sind kleine Betriebsgrößen, Landfragmentierung und schwieriger Zugang zu Kapital (inkl. EU-Förderungen) zentrale Herausforderungen, gleichzeitig eröffnen Nischenmärkte und Direktvermarktung Chancen für Nachfolger. - Die Investitionsförderung des Österreichischen LE-Programms 2014-20 aus Genderperspektive Josef Hambrusch, Theresia Oedl-Wieser, Christoph Tribl und Julian Zeilinger
Workshops
- Klimawandelanpassung auf Ackerbaubetrieben (KLÖSTA) - Heidelinde Grüneis und Julian Zeilinger
Der Workshop zum Projekt „Klimawandelanpassung im österreichischen Ackerbau (KLÖSTA)“ bot spannende Einblicke in ein laufendes Forschungsprojekt (siehe https://dafne.at/projekte/klosta). Nach einer kurzen Vorstellung des Projekts und vorläufiger Erkenntnisse arbeiteten die Teilnehmenden in Kleingruppen an zwei interaktiven Sessions, die als Input für eine Befragung mittels Q-Methode dienen. Dabei wurden wichtige Themen und Aspekte der Klimawandelanpassung auf Betriebsebene gemeinsam erarbeitet und darauf aufbauend konkrete Aussagen formuliert. Die Sessions boten die Möglichkeit, methodisches Wissen zu vertiefen und verschiedene Perspektiven einzubringen. Ein herzlicher Dank gilt allen Teilnehmenden für ihr Engagement! - Chancen und Herausforderungen zur Entlohnung von Ökosystemleistungen mittels Agrarumweltprogrammen - Martin Schönhart, Josef Hambrusch, Astrid Reitter und Martin Weigl
Vortrag
- Adaptation to Climate Change: A Panel Quantile Perspective - Julian Zeilinger
Als Teil der Session ‚Modellierung und Daten‘ stellte dieser Beitrag eine laufende Studie zum Zusammenhang zwischen Anpassungspotenzial und Anpassungsfähigkeit österreichischer Ackerbaubetriebe an den Klimawandel vor. Grundlage ist ein ökonometrisches Modell, das Daten einzelner Betriebe mit detaillierten meteorologischen Daten kombiniert. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass Betriebe mit geringerer Anpassungsfähigkeit über ein begrenzteres Anpassungspotenzial verfügen. Dies unterstreicht die zentrale Rolle der Anpassungsfähigkeit und den Bedarf gezielter Politik zur Stärkung der Resilienz landwirtschaftlicher Betriebe. Dieser Beitrag ist Teil des Projektes „Klimawandelanpassung im österreichischen Ackerbau“. Für weitere Details, siehe https://dafne.at/projekte/klosta
Abgerundet wurde die Tagung durch eine lehrreiche und interessante Exkursion in den südsteirischen Raum, die den Teilnehmer:innen die Schönheiten und Schätze der Region näherbrachten (Kernöl, Wein und Kultur). Ihren Ausklang fand die Tagung bei einer Buschenschank in Kitzeck mit regionalen Köstlichkeiten, wo neben der fachlichen Nachbereitung der persönliche Austausch sowie das Knüpfen und Pflegen von Kontakten im Vordergrund standen. Die Teilnehmer:innen der BAB möchten sich bei den Verantwortlichen der Tagung, insbesondere bei Hermine Mitter, sehr herzlich für die hervorragende Organisation in dem tollen Ambiente der Uni Graz bedanken.
Foto 1-3: Karin Heinschink, Foto 3-4: Astrid Reitter





