Die Arbeiten in diesem Forschungsprojekt sind Teil des DAFNE-Projekts „Evaluierung der mittelfristigen Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmittelwirkstoffen“, in dem die BAB für das infolge näher beschriebene Arbeitspaket 4a verantwortlich ist. Für umfassendere Details zum gesamten Projekt siehe DAFNE.
Das verfügbare Portfolio an Pflanzenschutzmittel (PSM)-Wirkstoffen in der Europäischen Union unterliegt gegenwärtig einem massiven Wandel. Während die Anzahl der genehmigten Wirkstoffe in den letzten Jahren in etwa gleich blieb, war eine Verschiebung von chemischen Wirkstoffen hin zu Mikroorganismen und weiteren biologischen Wirkstoffen, wie Pflanzenextrakten und Pheromonen, zu beobachten. Hintergrund dieser Entwicklung sind die stetige Anpassung der Untersuchungsmethoden an den Stand der Wissenschaften sowie zusätzlichen Kriterien bei der Wirkstoffgenehmigung (z. B. endokrine Eigenschaften). Dadurch soll auch das Ziel eines nachhaltigen Lebensmittelsystems im Rahmen des „Green Deals“ der Europäischen Kommission unterstützt werden.
Bereits auf Basis der aktuell etablierten Bewertungsmethoden ist mit der Nicht-Genehmigung von weiteren chemischen Wirkstoffen zu rechnen. Zudem ist davon auszugehen, dass durch weitere Erkenntnisse bezüglich möglicher negativer Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt einzelne Wirkstoffe und auch ganze Wirkstoffgruppen mittelfristig die Genehmigung verlieren werden. Der Wegfall von Wirkstoffen bzw. den daraus abgeleiteten Pflanzenschutzmitteln führt zu immer mehr Bekämpfungslücken in der landwirtschaftlichen Praxis in Österreich (z.B. Drahtwürmer in Kartoffeln) oder der Gefahr von Resistenzbildung bei verbleibenden Wirkstoffen.
Die Entwicklung von alternativen Verfahren und Methoden ist oftmals zeitaufwändig und schwierig. Eine frühzeitige Abschätzung der Wirkstoffverfügbarkeit ermöglicht es, Behandlungslücken proaktiv zu schließen und rechtzeitig alternative Verfahren und Methoden entwickeln zu können.
Zielsetzung
Im Rahmen des Projekts soll nun unter Berücksichtigung der aktuell gültigen Bewertungskriterien sowie auch bereits bekannter zukünftiger Entwicklungen und Vorgaben auf europäischer Ebene eine Abschätzung vorgenommen werden, welche Wirkstoffe mittelfristig nicht mehr verfügbar sein könnten. Nach Analyse der potenziell entstehenden Behandlungslücken werden mögliche Alternativen hinsichtlich des Stands der Technik, der Praktikabilität und Wirksamkeit, der Relevanz für die österreichische Landwirtschaft und des Zeithorizonts bezüglich der zukünftigen Anwendung und Umsetzung diskutiert und bewertet.
Aufbauend auf diesen Erkenntnissen fokussiert die BAB auf die ökonomische Bewertung von PSM-Wirkstoffverlusten auf Betriebsebene und versucht am Beispiel einer oder mehrerer ausgewählter Kulturen, die ökonomischen Auswirkungen (von alternativen Pflanzenschutzmaßnahmen) auf Betriebsebene darzustellen.
Geplante Ablauf, Durchführung
Die Abschätzung der mittelfristig potenziell nicht mehr verfügbaren Wirkstoffe (Arbeitspaket 1 – AGES) erfolgt durch die Entwicklung einer Auswahl an Kriterien, die sowohl die aktuell gültigen Bewertungsvorgaben als auch mögliche zukünftige Entwicklungen und Änderungen auf europäischer Ebene berücksichtigen.
Aufbauend auf dieser Abschätzung wird im Arbeitspaket 2 (AP2 – AGES) die Bewertung der daraus resultierenden Situation im Pflanzenschutz durchgeführt. Hierbei wird analysiert, wie die eingeschränkte Wirkstoffverfügbarkeit die Möglichkeiten im Pflanzenschutz beeinflusst. Die Bewertung erfolgt auf Indikationsebene (Kultur/Schaderregerkombination) für ausgewählte Hauptkulturen im Acker-, Obst- und Weinbau. Mithilfe des Pflanzenschutzmittelregisters wird die Verfügbarkeit chemischer Alternativen erhoben.
Diese Ergebnisse dienen als Grundlage für die betriebswirtschaftliche Analyse in AP4a (BAB), um die Auswirkungen der eingeschränkten Wirkstoffverfügbarkeit auf landwirtschaftliche Betriebe zu bewerten und mögliche Alternativen zu identifizieren.
Arbeiten 2026
Das Arbeitspaket der BAB umfasst folgenden Teilaspekte:
- Recherche: Vorarbeiten zur Modellierung der (ökonomischen) Effekte von PSM-Wirkstoffverlusten auf Betriebsebene umfassen eine explorative Literaturrecherche von agrarökonomischer Fachliteratur sowie die Kontaktaufnahme zu anderen Forschungseinrichtungen, um die Nutzung etwaiger Synergieeffekte auszuloten. Weiters wird geprüft, inwieweit Daten zu Sorten- und Pflanzenschutzversuchen vorliegen und für das Projekt genutzt werden können, um ökonomische Effekte von Wirkstoffverlusten hinsichtlich der Ertragsentwicklung (sowohl in quantitativer als auch qualitativer Weise) besser abschätzen zu können.
- Transformation der Wirkungsabschätzung: Eine Herausforderung besteht darin, die qualitative Bewertung der PSM-Verfügbarkeit infolge des Wegfalls unterschiedlicher Wirkstoffe in konkrete Zahlenwerte für die modelltechnische Nutzung überzuführen. Zentral für die Umsetzung dieses Schrittes sind die Vorleistungen aus Arbeitspaketen 1 und 2 (siehe oben). Darüber hinaus ist eine zusätzliche semi-quantitative Abschätzung der Wirksamkeit alternativer Pflanzenschutzverfahren nach Kulturen und Wirkungstypen (Anwendung verschiedener Methoden, z. B. Fuzzy Logic) unter Einbindung zusätzlicher Expert:innen anzudenken.
- Modellierung: Für ein Set an typischen Betrieben (z.B. auf Basis von Buchführungsbetrieben) werden verschiedene Szenarien abgeleitet, welche unterschiedliche Gradienten des Verlusts von Wirkstoffen abbilden. Darauf aufbauend erfolgen statische Kalkulationen von Verfahren bzw. Modellbetrieben (z. B. Betriebsvoranschlag) in der die ökonomischen Auswirkungen (z.B. Erträge und Kosten) der Anpassungsmaßnahmen abgebildet werden. Ausgehend von den ortsüblichen Pflanzenschutzpraktiken kann dies z. B. die Substitution von Wirkstoffen durch die Kombination weiterhin zugelassener PSM oder den Umstieg auf alternative Pflanzenschutzmaßnahmen (z.B. mechanischer Pflanzenschutz) beinhalten. Die Auswahl relevanter alternativer Maßnahmen erfolgt in Abstimmung mit AP2.
- Quantifizierung der betriebswirtschaftlichen Effekte: Die ökonomische Bewertung des Wegfalls von Pflanzenschutzmittelwirkstoffen folgt einer möglichst ganzheitlichen Betrachtung von Änderungen bei Erträgen, Direktkosten und etwaigen Spezialkosten für langfristige Investitionen in Spezialmaschinen. Je nach Datenlage ist eine Aggregation auf räumlicher Ebene denkbar. Herausfordernd wird der Umgang mit kurz- und langfristigen Wirkungen von Wirkstoffverlusten sein. So ist es möglich, dass kurzfristig die Kosten für alternative Pflanzenschutzmaßnahmen steigen, langfristig aber stabilere Erträge erzielt werden können.
Aufgrund der vorherrschenden Unsicherheiten und Abhängigkeiten von den Ergebnissen vorhergehender Arbeitspakete ist diese Arbeit als Machbarkeitsstudie anzusehen, deren Erkenntnisse zu einer Ausweitung der Betrachtung auf weitere Kulturarten und Indikationen genutzt werden können.
Zeitplan
Projektstart: 08/2025
Projektende: 12/2027