Forschungsprojekte

BAB 076/25: Entwicklung der Almwirtschaft mit besonderem Fokus auf Landaufgabe

Die Almwirtschaft spielt eine zentrale Rolle für den Erhalt der traditionellen österreichischen Kulturlandschaft und erbringt bei nachhaltiger Nutzung wichtige Ökosystemleistungen wie Naturschutz, Tourismus und Katastrophenschutz. Trotz dieser Funktionen werden Almflächen in Diskussionen zu Landwirtschaft, Bodennutzung und Landaufgabe oft vernachlässigt. Während die Aufgabe von Ackerflächen verstärkt betrachtet wird, bleibt das Thema Almflächen häufig unterrepräsentiert, obwohl alpine Gebiete ein besonders hohes Risiko der Landaufgabe aufweisen. Zwischen 2000 und 2023 ging die Zahl der bewirtschafteten Almen in Österreich um 12 % zurück (Grüner Bericht, 2024), was die Herausforderungen deutlich macht: Klimawandel, der Rückgang traditioneller landwirtschaftlicher Praktiken, geringe wirtschaftliche Rentabilität, demografische Veränderungen und komplexe Eigentumsverhältnisse erschweren die Nutzung und den Erhalt von Almflächen zunehmend. Erste Erkenntnisse aus Interviews mit 10 Almbäuer:innen, die im Sommer 2024 im Rahmen der COST Action MARGISTAR durchgeführt wurden, untermauern den Forschungs- und Handlungsbedarf zur Flächenaufgabe in der Almwirtschaft.

Zielsetzung

Das Forschungsprojekt knüpft an den vorhandenen statistischen Daten zum Rückgang der Almflächen an. Um Veränderungen hinsichtlich Landnutzung bzw. Landbedeckung auf bewirtschafteten und aufgelassenen Almflächen in einen breiten sozioökonomischen und ökologischen Kontext zu stellen, soll mit der Kombination von qualitativen und quantitativen Vorgehensweisen (Mixed Methods) eine fundierte Grundlage geschaffen werden und regional angepasste Empfehlungen für Politik und Praxis entwickelt werden.

Im Arbeitspaket 1 (AP1) liegt der Schwerpunkt auf der räumlichen und zeitlichen Entwicklung der Landnutzung und Landbedeckung von Almflächen, basierend auf Erdbeobachtungs- und agrarstatistischen Daten. Die INVEKOS-Daten dienen als Grundlage für die statistische Analyse der Entwicklung von Almflächen, wobei ein besonderes Augenmerk auf die Identifizierung aufgegebener Almflächen gelegt wird. Mithilfe von Fernerkundungsdaten und etablierten Prozessierungsmethoden wird die Landnutzungs- und Landbedeckungsentwicklung vor und nach der Aufgabe der Almflächen untersucht, um Muster zu erkennen, die auf einen Trend zur Aufgabe dieser Flächen hinweisen. Ein Vorteil der Fernerkundung ist die objektive und flächendeckende Auswertung, die zu repräsentativen Ergebnissen für Österreich führen soll. Hierfür wird ein Workflow auf der BAB Big Data Processing Infrastruktur entwickelt. Fernerkundungsanalysen von Almflächen werden bereits von der AMA entwickelt bzw. durchgeführt, welche sich jedoch auf die Ermittlung der tatsächlich förderfähigen Almfutterflächen konzentrieren.

Im Arbeitspaket 2 (AP2) werden durch den Einsatz qualitativer Forschungsmethoden die sozioökonomischen Faktoren analysiert, die die Veränderungen auf den Almflächen beeinflussen. Im Fokus stehen dabei die Ursachen, Beweggründe und Reaktionen der Almwirt:innen im Zusammenhang mit der Bewirtschaftung bzw. der Aufgabe von Almflächen in Österreich. Das Interesse liegt insbesondere auf den regional unterschiedlichen Voraussetzungen, Herangehensweisen und Entwicklungsoptionen, welche sich in komplexen Eigentumsverhältnissen, Verfügbarkeit von Facharbeiter:innen, Zusammenarbeit mit der Tourismusbranche oder die Bedeutung von Schutzgebieten widerspiegeln.

Arbeitspaket 3 (AP3) fasst die Ergebnisse aus AP1 und AP2 zusammen, um ein umfassendes Bild der aktuellen und zukünftigen Herausforderungen in der Almwirtschaft zu gewinnen. Ziel ist es, regional abgestimmte Empfehlungen für Politik und Praxis zu entwickeln, die die Almwirtschaft nachhaltig stärken und sie auf sozioökonomische Veränderungen vorbereiten. Die Projektergebnisse werden in einem Projektbericht zusammengefasst und publiziert.

Stand des Projekts und Arbeiten 2026

Die bisher durchgeführten Arbeiten umfassen die Recherche, Auswahl und Einarbeitung geeigneter Fernerkundungsmethoden, Auswertung der INVEKOS-Daten auf Bundesländerebene, Literatur-recherche zur Bedeutung, den Entwicklungen und Herausforderungen der Almwirtschaft sowie die Durchführung narrativer Expert:inneninterviews mit relevanten Vertreter:innen der Bundesländer. 

Für 2026 geplant sind der Start des Prototypen in AP1, die Durchführung weiterer nationaler Ex-pert:inneninterviews, deren Auswertung mittels qualitativer Datenanalyse (MAXQDA) sowie die Fertigstellung eines Fact Sheets zum Stand der Projektarbeiten.

Laufzeit:

Projektbeginn: 01/2025
Projektende: 06/2028

Projektstatus

laufend

ProjektleiterIn

ERNST, Daria

MSc Daria Ernst

Berggebietsforschung und Regionalentwicklung

Team

MACHOLD, Ingrid

Mag.a Dr.in Ingrid MACHOLD

Berggebietsforschung und Regionalentwicklung
MITTERHUBER, Lena

MSc Lena MITTERHUBER

ehemalige MitarbeiterInnen
HOFER, Katrin

DI.in Katrin Hofer

Ländliche Sozialforschung und Bibliothek
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